INTERVIEW

mit ROMAN POLANSKI

Auf welchem Weg haben Sie David Ives‘ Stück kennengelernt, das von einer Novelle Leopold von Sacher-Masochs inspiriert ist?

Es war mein Agent Jeff Berg, der mir, als ich letztes Jahr in Cannes war, um die Vorführung der restaurierten Fassung von „Tess“ zu besuchen, das Stück „Venus im Pelz“ mit den Worten übergab: „Das ist ein Stoff für dich.“ Da ich gerade nicht viel zu tun hatte, ging ich rauf in mein Zimmer und fing an zu lesen und … dachte: „Ja, das ist wirklich was für mich!“ Der Text war so witzig, dass ich mich dabei ertappte, wie ich laut lachte, obwohl ich ganz allein war, was selten vorkommt. Ich fand die Ironie des Stücks, die manchmal an Sarkasmus grenzt, unwiderstehlich. Außerdem gefiel mir seine feministische Seite. Und ich hatte sofort Lust, einen Film daraus machen. Zunächst mal weil es eine tolle Rolle für Emmanuelle enthielt und wir schon lange mal wieder zusammen arbeiten wollten. Aber auch für einen Schauspieler gibt es darin eine schöne Rolle. Ich habe mir sofort vorgestellt, dass die Handlung in einem leeren Theater spielt, was wahrscheinlich damit zu tun hat, dass ich vom Theater komme. Ein Theatersaal bringt zwangsläufig eine andere Dimension hinein, eine bestimmte Atmosphäre …

Das ist, nach „Der Gott des Gemetzels“ von Yasmina Reza, bereits das zweite Mal in Folge, dass Sie ein Theaterstück adaptieren. Und es ist der erste Film seit langem, den Sie auf Französisch gedreht haben …

Solche Fragen habe ich mir gar nicht gestellt; es war das Thema, das mich inspiriert hat. Und noch etwas: Dass es nur um zwei Figuren kreist. Seit meinem ersten Film („Messer im Wasser“ von 1962), in dem es nur drei Figuren gab, sagte ich mir: „Eines Tages mache ich mal einen Film mit nur zwei Figuren!“ Das ist eine echte Herausforderung, aber ich brauche so was, um mich zu stimulieren, ich brauche eine Schwierigkeit, die ich überwinden muss, sonst langweile ich mich. Mit nur zwei Figuren an einem einzigen Ort verharren zu müssen, ohne den Zuschauer auch nur einen Augenblick zu langweilen und ohne dass das Ganze so aussieht wie fürs Fernsehen abgefilmtes Theater, das war für mich ein interessantes Wagnis. Gerade heute, wo man im Kino von den Bildern erschlagen und von der Lautstärke her geradezu taub gemacht wird. Die Vorschau-Trailer zu überstehen, ist das Schlimmste im Kino. Es gibt immer zwei oder drei, die die gesamte Gewalt des Films in konzentrierter Form enthalten: ein Dutzend Explosionen, ein Dutzend Autos, die sich überschlagen, und immer derselbe Lärm zwischen den Einstellungen, als hätten sie nichts anderes im Repertoire …

Um was ging es Ihnen bei Ihrer Arbeit an der Adaption mit David Ives?

Zunächst mal haben wir die Dialoge gekürzt und bestimmte Szenen verändert. Wir wollten das Stück wirklich in einen Film verwandeln. In dem Stück vollzieht sich die gesamte Handlung in einem Probenraum, was einigermaßen fade ist. In Frankreich finden die Vorsprechen von Schauspielern jedoch häufig auf der Bühne statt, vor allem in Privattheatern, die keinen Repertoire-Betrieb haben. Deshalb habe ich sofort daran gedacht, die Handlung in ein Theater zu verlegen. In einem Theatersaal zu sein, verändert auf Anhieb alles vollkommen. Zwischen der Bühne und dem Zuschauerraum wechseln zu können, ganz zu schweigen von dem Bereich hinter den Kulissen, eröffnete jede Menge neue Möglichkeiten. Unsere Arbeit war in dieser Hinsicht schon sehr detailliert, aber als wir dann drehten, habe ich einige Situationen noch mal verändert und improvisiert und Umstellungen vorgenommen …

Was macht Emmanuelle Seigner in Ihren Augen für diese Rolle besonders geeignet?

Ihr Äußeres, ihre Ausstrahlung und ihre Fähigkeit, von einer Emotion in eine andere zu wechseln … Ich dachte eigentlich, dass es ihr sehr leicht fallen würde, die reguläre Figur, diese Schauspielerin, zu spielen, aber während der Dreharbeiten merkte ich dann, dass die andere Figur – die Figur aus dem Buch von Masoch, Vanda von Dunajew – ihr am Ende noch viel besser lag. Aber schwergefallen ist ihr keine von beiden. Sie wechselte zwischen ihnen hin und her, als wäre es das Normalste von der Welt, und konnte zwischen den verschiedenen Tonfällen, Akzenten, Verhaltensweisen und Körperhaltungen – ja fast zwischen den verschiedenen Körpern – mit absoluter Leichtigkeit hin und her wechseln.

Und welchen Trumpf brachte Mathieu Amalric mit?

Er ist ein großartiger Schauspieler und ein Regisseur, so dass er viele Dinge und Situationen versteht. Er ist begabt, intelligent und hat das richtige Alter. Alles, was nötig war, um die Rolle zu einem Erfolg zu machen. Es gibt nur wenige Darsteller, die geschafft hätten, was er geschafft hat, und noch dazu mit so vielen Feinheiten …

Seine äußere Ähnlichkeit mit Ihnen in diesem Film ist frappierend. Wenn man ihn sieht, muss man an Ihre Figur in „Tanz der Vampire“ oder auch in „Der Mieter“ denken. War das gewollt?

Es kann sein, dass er bewusst in diese Richtung gegangen ist, doch das war nicht meine Entscheidung. Ich hab es anfangs noch nicht mal gemerkt. Aber schon als wir uns zum ersten Mal trafen (Steven Spielberg hat ihn mir vorgestellt, als sie zusammen „München“ drehten), hat Mathieu mir erzählt, dass ihm häufig gesagt wird, wie sehr er mir ähneln würde.

Sie haben „Venus im Pelz“ letztes Jahr in Cannes gelesen und sind nun ein Jahr später im Wettbewerb mit dem fertigen Film wieder da. So schnell geht es ja selten.

Ja, das ist verrückt. Es gibt Filme wie diesen, wo einfach alles glattgeht. Die Schauspieler und die Techniker waren großartig, und es ist vor allem ihnen zu verdanken, dass ich diesen Film so schnell fertigstellen konnte. Aber wir haben auch hart gearbeitet! Auch später während des Schnitts!

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Auf welchem Weg haben Sie David Ives‘ Stück kennengelernt, das von einer Novelle Leopold von Sacher-Masochs inspiriert ist?

Es war mein Agent Jeff Berg, der mir, als ich letztes Jahr in Cannes war, um die Vorführung der restaurierten Fassung von „Tess“ zu besuchen, das Stück „Venus im Pelz“ mit den Worten übergab: „Das ist ein Stoff für dich.“ Da ich gerade nicht viel zu tun hatte, ging ich rauf in mein Zimmer und fing an zu lesen und … dachte: „Ja, das ist wirklich was für mich!“ Der Text war so witzig, dass ich mich dabei ertappte, wie ich laut lachte, obwohl ich ganz allein war, was selten vorkommt. Ich fand die Ironie des Stücks, die manchmal an Sarkasmus grenzt, unwiderstehlich. Außerdem gefiel mir seine feministische Seite. Und ich hatte sofort Lust, einen Film daraus machen. Zunächst mal weil es eine tolle Rolle für Emmanuelle enthielt und wir schon lange mal wieder zusammen arbeiten wollten. Aber auch für einen Schauspieler gibt es darin eine schöne Rolle. Ich habe mir sofort vorgestellt, dass die Handlung in einem leeren Theater spielt, was wahrscheinlich damit zu tun hat, dass ich vom Theater komme. Ein Theatersaal bringt zwangsläufig eine andere Dimension hinein, eine bestimmte Atmosphäre …

Das ist, nach „Der Gott des Gemetzels“ von Yasmina Reza, bereits das zweite Mal in Folge, dass Sie ein Theaterstück adaptieren. Und es ist der erste Film seit langem, den Sie auf Französisch gedreht haben …

Solche Fragen habe ich mir gar nicht gestellt; es war das Thema, das mich inspiriert hat. Und noch etwas: Dass es nur um zwei Figuren kreist. Seit meinem ersten Film („Messer im Wasser“ von 1962), in dem es nur drei Figuren gab, sagte ich mir: „Eines Tages mache ich mal einen Film mit nur zwei Figuren!“ Das ist eine echte Herausforderung, aber ich brauche so was, um mich zu stimulieren, ich brauche eine Schwierigkeit, die ich überwinden muss, sonst langweile ich mich. Mit nur zwei Figuren an einem einzigen Ort verharren zu müssen, ohne den Zuschauer auch nur einen Augenblick zu langweilen und ohne dass das Ganze so aussieht wie fürs Fernsehen abgefilmtes Theater, das war für mich ein interessantes Wagnis. Gerade heute, wo man im Kino von den Bildern erschlagen und von der Lautstärke her geradezu taub gemacht wird. Die Vorschau-Trailer zu überstehen, ist das Schlimmste im Kino. Es gibt immer zwei oder drei, die die gesamte Gewalt des Films in konzentrierter Form enthalten: ein Dutzend Explosionen, ein Dutzend Autos, die sich überschlagen, und immer derselbe Lärm zwischen den Einstellungen, als hätten sie nichts anderes im Repertoire …

Um was ging es Ihnen bei Ihrer Arbeit an der Adaption mit David Ives?

Zunächst mal haben wir die Dialoge gekürzt und bestimmte Szenen verändert. Wir wollten das Stück wirklich in einen Film verwandeln. In dem Stück vollzieht sich die gesamte Handlung in einem Probenraum, was einigermaßen fade ist. In Frankreich finden die Vorsprechen von Schauspielern jedoch häufig auf der Bühne statt, vor allem in Privattheatern, die keinen Repertoire-Betrieb haben. Deshalb habe ich sofort daran gedacht, die Handlung in ein Theater zu verlegen. In einem Theatersaal zu sein, verändert auf Anhieb alles vollkommen. Zwischen der Bühne und dem Zuschauerraum wechseln zu können, ganz zu schweigen von dem Bereich hinter den Kulissen, eröffnete jede Menge neue Möglichkeiten. Unsere Arbeit war in dieser Hinsicht schon sehr detailliert, aber als wir dann drehten, habe ich einige Situationen noch mal verändert und improvisiert und Umstellungen vorgenommen …

Was macht Emmanuelle Seigner in Ihren Augen für diese Rolle besonders geeignet?

Ihr Äußeres, ihre Ausstrahlung und ihre Fähigkeit, von einer Emotion in eine andere zu wechseln … Ich dachte eigentlich, dass es ihr sehr leicht fallen würde, die reguläre Figur, diese Schauspielerin, zu spielen, aber während der Dreharbeiten merkte ich dann, dass die andere Figur – die Figur aus dem Buch von Masoch, Vanda von Dunajew – ihr am Ende noch viel besser lag. Aber schwergefallen ist ihr keine von beiden. Sie wechselte zwischen ihnen hin und her, als wäre es das Normalste von der Welt, und konnte zwischen den verschiedenen Tonfällen, Akzenten, Verhaltensweisen und Körperhaltungen – ja fast zwischen den verschiedenen Körpern – mit absoluter Leichtigkeit hin und her wechseln.

Und welchen Trumpf brachte Mathieu Amalric mit?

Er ist ein großartiger Schauspieler und ein Regisseur, so dass er viele Dinge und Situationen versteht. Er ist begabt, intelligent und hat das richtige Alter. Alles, was nötig war, um die Rolle zu einem Erfolg zu machen. Es gibt nur wenige Darsteller, die geschafft hätten, was er geschafft hat, und noch dazu mit so vielen Feinheiten …

Seine äußere Ähnlichkeit mit Ihnen in diesem Film ist frappierend. Wenn man ihn sieht, muss man an Ihre Figur in „Tanz der Vampire“ oder auch in „Der Mieter“ denken. War das gewollt?

Es kann sein, dass er bewusst in diese Richtung gegangen ist, doch das war nicht meine Entscheidung. Ich hab es anfangs noch nicht mal gemerkt. Aber schon als wir uns zum ersten Mal trafen (Steven Spielberg hat ihn mir vorgestellt, als sie zusammen „München“ drehten), hat Mathieu mir erzählt, dass ihm häufig gesagt wird, wie sehr er mir ähneln würde.

Sie haben „Venus im Pelz“ letztes Jahr in Cannes gelesen und sind nun ein Jahr später im Wettbewerb mit dem fertigen Film wieder da. So schnell geht es ja selten.

Ja, das ist verrückt. Es gibt Filme wie diesen, wo einfach alles glattgeht. Die Schauspieler und die Techniker waren großartig, und es ist vor allem ihnen zu verdanken, dass ich diesen Film so schnell fertigstellen konnte. Aber wir haben auch hart gearbeitet! Auch später während des Schnitts!

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